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Series 3; 9
Inkognito zum Hype - Das Phänomen iamamiwhoami
publishing date 18 September 2012
interviewer Michael Funke
publisher detektor.fm
photography iamamiwhoami: John Strandh
interviews chronology

Inkognito zum Hype - Das Phänomen iamamiwhoami

motor.de: Ich bin, du bist, wir alle sind «

IntroductionEdit

Sich im Internet zu bewegen, ohne irgendwelche Spuren seiner Identität zu hinterlassen scheint heutzutage unmöglich. Das audiovisuelle Musikprojekt iamamiwhoami hat es dennoch geschafft und damit einen Hype entfacht. Seit kurzem ist die Katze aus dem Sack. Mit ihrem Debütalbum "Kin" stellen sich die Schweden um Sängerin Jonna Lee der Öffentlichkeit.

InterviewEdit

Glanzvoll inszenierte Videos unterlegt mit elektronischer Musik, die sich zwischen Fever Ray, The Knife und Björk bewegt – das sind die Geheimwaffen des schwedischen Kunstensembles iamamiwhoami. Seit 2009 haben sie durch die virale Verbreitung von geheimnisvollen YouTube-Videos einen regelrechten Hype geschaffen. Gleichzeitig sind wilde Spekulationen um die Personen hinter diesem Projekt entstanden. Sängerin Jonna Lee gilt mittlerweile als Aushängeschild.

"Das Internet ist ein Ort ohne Grenzen und ich hoffe das bleibt auch so. Du kannst deine Werke mit jedem Teilen. Ich denke nicht, dass wir es ohne das Internet so weit gebracht hätten."

Jonna Lee hat das Projekt ins Rollen gebracht. Hinter iamamiwhoami verbirgt sich allerdings noch mehr. Während Lee für Texte und Gesang zuständig ist, kümmert sich Produzent Claas Björklund Lee um die Musik. Ein Regisseur samt Visualteam baut dann um die Musik herum die Videos auf. Als iamamiwhoami 2011 den schwedischen Grammy als "Innovator Of The Year" abräumten, nahm ihn eine unbekannte Frau entgegen und verschwand ohne große Worte unmittelbar nach der Auszeichnung. Allerdings hatte der ein oder andere Kenner schon einen Verdacht, wer hinter dem Projekt steht. Für Jonna Lee war das eher nebensächlich.

"Wir machen das jetzt schon seit drei Jahren. Unser erstes Video kam ja bereits 2009. Ich denke schon, dass die Leute mitbekommen haben, dass ich da involviert bin. Ich hab das einfach unkommentiert gelassen. Die Leute sollten sich auf das konzentrieren, was wir schaffen und nicht wer wir sind. Ich wusste selbst nicht so genau, was ich tat. Ich hab experimentiert. Jetzt fühlt es sich gut und richtig an, darüber zu reden, was wir machen. Aber über Iamamiwhoami als Individuum zu reden, halte ich für irrelevant."

Die Gerüchteküche um ihre Identität brodelte trotzdem. Die wildesten Vermutungen waren im Umlauf. Die Bandbreite reichte von Lady Gaga, Christina Aguilera, bis hin zu Björk und Fever Ray. Jonna Lee staunte nicht schlecht, wie schnell sich Gerüchte verbreiten können.

"Ich war überrascht – sehr sogar. Ich fühlte mich keineswegs beleidigt oder so. Ich hab ja zu diesen Künstlern keine Beziehung. Es ist nur krass, wie sich Gerüchte verbreiten und die Interpretationen eines Einzelnen die eines Anderen beeinflussen und sich daraus eine vermeintliche Wahrheit bildet. Ich dachte mir "Hören wir einfach nicht drauf und konzentrieren uns darauf noch mehr zu kreiren."

Mit der typisch skandinavischen Coolness ignoriert Jonna Lee die ganzen Spekulationen und konzentriert sich einfach auf das künstlerische Schaffen. Herausgekommen ist ihr Debütalbum, das den Namen Kin trägt. Das Album ist keine LP im eigentlichen Sinne. Hinter Kin verbirgt sich ein 45-minütiger Film in neun Kapiteln. Zu jedem Kapitel haben iamamiwhoami ein aufwendiges Video gedreht. Diese Videos sind dann nach und nach bei YouTube erschienen. Das Gesamtkunstwerk kann man seit Anfang September auf Platte und DVD erstehen – ein nicht gerade gewöhnlicher Verbreitungsweg.

"Es ist wichtig es zu probieren. Nicht die Verbreitungsmethode ist innovativ, sondern was du schaffst überschreitet alte Grenzen. Und uns ist das hoffentlich gelungen. Aber das kann man heute noch nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht in 10 Jahren – dann blicken wir zurück und sagen "Ok". Aber jetzt befinden wir uns gerade mittendrin."

Das Konzept geht auf. Auch wenn das Jonna Lee so noch nicht bestätigen möchte. Ob beabsichtigt oder nicht, die Geheimniskrämerei um ihre Identität hat sich ausgezahlt und war das Sprungbrett für iamamiwhoami. Das Projekt ist in aller Munde. Die Raffinesse und der Ideenreichtum der Schweden wurde belohnt. Allerdings sind sie mit deartigen Vermarktungsstrategien nicht die Einzigen. In der Blogwelt werden in gepflegter Regelmäßigkeit neue geheimnisvolle Hypes ausgerufen und genauso schnell wieder vergessen. Iamamiwhoami werden dagegen erstmal eine Weile nachhallen.


PhotosEdit

External linksEdit

iamamiwhoami
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iamamiwhoami; kin 20120611
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